Diskussion Wissenschaft trifft Praxis – Konzepte und Gegenstrategien

  • anti-feminism
  • solidarity
  • gender studies
  • German

CEST
08.04.2021

  • PD Dr. Marion Näser-Lather (Chair)
  • Juliane Lang
  • Prof. Dr. Sabine Grenz
  • Prof. Dr. Ilse Lenz
  • Dr. Dorothee Beck
  • Eszter Kováts

Auf welche Problemlagen müssen wir gerade reagieren und wie können Wissenschaft und Praxis sich diesbezüglich gegenseitig befruchten? Welche konkreten Kampagnen kann man gemeinsam durchführen, um Antifeminismus aus der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis zu begegnen? Welche diesbezüglichen Praxisbeispiele gibt es? Was können wir daraus lernen und wie können wir dies umsetzen?

  • Dr. Dorothee Beck on Troubling Gender Conference

    Dr. Dorothee Beck

    Freiberufliche Politikwissenschaftlerin, Geschlechterforscherin, Marburg

Antifeminismus - Wissenschaft trifft Praxis

Politische Nachrichtenmedien sind in Antifeminismus-/Genderismus-Diskursen nicht lediglich die vierte Gewalt im Staate, die vermeintlich unabhängig, mit dem Blick „von außen“ berichtet und die politisch Mächtigen kontrolliert. Sie agieren in diesen Diskursen vielmehr als eigenständige Akteure, vor allem indem sie ohne äußeren Anlass eigene Themen setzen und/oder bestimmte Gastautor*innen einladen. Dabei treffen Gender Studies bis weit in liberale Medien hinein auf Ablehnung und Abwertung. Dies galt bis vor wenigen Jahren für das Thema gegenderte Sprache. Doch hier ist inzwischen enorm viel in Fluss gekommen. Mediale Verhandlungen von Antifeminismus-/Genderismus-Diskursen zeigen sich zwar sehr differenziert, stellen sich in der Praxis zwei Herausforderungen, wenn es darum geht, demokratische Positionen zu stärken.

Zum einen lassen sich Diskursbrücken zwischen Medien, ‚gender-kritischen‘ politischen Positionen und rechtsextremistischen Kreisen identifizieren. Nachrichtenmedien spielen eine problematische Rolle, wenn es darum geht, entsprechende Themen zu popularisieren, unter anderem, indem sie verbreitete Ressentiments aufgreifen. Hierzu stelle ich Ergebnisse meines Projekts „‘Genderismus‘ in der medialen Debatte“ vor.

Zum zweiten muss eine kritische Debatte darüber geführt werden, inwieweit Nachrichtenmedien Personen aus dem extrem-rechten Spektrum eine Bühne bieten. Hierzu werde ich die konfligierenden Positionen skizzieren und damit zur Diskussion einladen.


Dr. Dorothee Beck is a senior researcher, affiliated to Philipps University in Marburg, Germany. Her research interests cover the intersection of politics and participation, gender, gender-based violence and media, as well as antifeminism. She is also a freelance publicist, expert and moderator in the fields that she covers in her research.

  • Eszter Kováts on Troubling Gender Conference

    Eszter Kováts

    Universität ELTE, Budapest

Konservative vs. Progressive, Essentialisten vs. Post-Essentialist*innen? Implikationen und Grenzen dichotomer Interpretationen des Anti-Gender Phänomens am Beispiel Ungarn

In Ungarn vertritt die Regierung selbst eine Anti-Gender-Politik. Das Orbán-Regime, das seit 2010 an der Macht ist und in immer autoritärere Richtung driftet, hat 2018 Gender-Studies Masterstudiengänge per Dekret gestrichen. Im Mai 2020 hat das Parlament inmitten der Pandemie gegen die Ratifizierung der Istanbul-Konvention gestimmt, und entschieden, dass man das eingetragene „Geschlecht bei der Geburt” im Lebensverlauf nicht ändern kann. Im Herbst 2020 wurden die Adoptionsrechte für gleichgeschlechtliche Paare eingeschränkt. Tagtäglich wird in der Propagandapresse gegen LSBTI-Menschen gehetzt. Ich werde in meinem Input versuchen, die aktuellen Besorgnis erregenden Entwicklungen in Ungarn einzuordnen. Am Beispiel Ungarn werde ich zeigen, warum womöglich die gängigen dichotomen Begrifflichkeiten analytisch einiges verfehlen, und politisch zur weiteren Polarisierung beitragen. Statt Begriffe (z.B. Backlash) aus der politischen Praxis in die Wissenschaft zu übernehmen, brauchen wir m.E. bessere Instrumente zur Auseinandersetzung mit den strukturellen Entwicklungen, die den Nährboden für Anti-Gender-Botschaften bieten.


Eszter Kováts holds a BA in Sociology, an MA in French and German Studies and in Political Science. She is a PhD student in Political Science at ELTE University, Budapest. Until recently she has been a guest researcher at the Humboldt University in Berlin with a DAAD research scholarship. She was working in the Hungarian Office of the German political foundation Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) from 2009 till end of 2019. From 2012 till 2019 she was responsible for the Foundation’s gender program for East-Central Europe.

  • Prof. Dr. Sabine Grenz on Troubling Gender Conference

    Prof. Dr. Sabine Grenz

    Universität Wien, Gender Studies

Antifeministische Postings: Empowering durch Analyse

2017 ist in der Tageszeitung Der Standard ein ganzseitiges Interview über die neue Professorin für Gender Studies, Sabine Grenz, erschienen, auf das es eine heftige Reaktion im Forum gab. Es wurden annähernd 700 Kommentare gepostet, von denen die meisten negativ waren und in denen sowohl die Gender Studies als auch die Person angegriffen wurden. Insbesondere ging es darum, sie Wissenschaftlichkeit der Gender Studies bzw. der Genderforschung allgemein in Frage zu stellen. Dieses Material wurde im Rahmen eines Seminars mit Studierenden der Universität Wien diskursanalytisch untersucht. In meinem Beitrag werde ich über den Prozess und die Ergebnisse sowie weitere daraus folgende Ereignisse berichten und diese reflektieren.



Sabine Grenz ist seit 2017 an der Universität Wien beschäftigt, zunächst befristet als Univ.-Prof. für Gender Studies und seit 1.4.2020 als Ass.-Prof. für Gender Studies. Sie ist Leiterin der Refarats Genderforschung und außerdem Provatdozentin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zuvor war sie Vertretungsprofessorin für Diversitätsforschung an der Universität Göttingen. Sie ist Mitglied im internationalen Netzwerk „Transforming Values. Gender, secularities and religiosities across the globe“, das vom schwedischen Riksbanken Jubileumsfonds gefördert wird. Ihre derzeitigen Forschungsinteressen sind Postsekularität, feministische Epistemologie und Methodologie sowie Interdisziplinarität.

  • Prof. Dr. Ilse Lenz on Troubling Gender Conference

    Prof. Dr. Ilse Lenz

    Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Sozialwissenschaft

Ilse Lenz ist Professorin em. für Soziologie (Geschlechter- und Sozialstrukturforschung) an der Ruhr-Universität-Bochum. Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind u.a. Frauen- und Genderbewegungen im internationalen Vergleich; komplexe soziale Ungleichheiten (Klasse, Ethnizität, Geschlecht); Globalisierung, Geschlecht und Arbeit.

  • Juliane Lang

    Universität Gießen, Institut für Politikwissenschaft; Referentin und Trainerin der politischen Bildungsarbeit

Universitäten und (Geschlechter-)Forschung im Fokus der (extremen) Rechten

Die akademische Geschlechterforschung steht mehr und mehr im Fokus rechter Angriffe: sei es die Forderung der Jungen Union Baden-Württemberg, den Gender Studies pauschal die Finanzierung zu entziehen (2015). Oder die Forderung der AfD im Bundestag, die freiwerdenden Mittel in die Erforschung der grassierenden Männerfeindlichkeit in diesem Land zu investieren (2019).

Die Empörung ist groß, angesichts der immer skurriler werdenden Angriffe, die insbesondere aus der AfD und Gruppierungen aus ihrem vorpolitischen Umfeld kommen. Und dennoch tun sich die Universitäten vielerorts schwer, den häufig individuell betroffenen Wissenschaftler*innen zur Seite zu stehen und geschlossen dem Versuch entgegen zu treten, die freie Wissenschaft zu verteidigen – auch wenn sie mitunter unangenehme Erkenntnisse zu Tage befördert, wie etwa die Gender Studies, die kritische Rassismus- oder Klassismusforschung.

Der Workshop wirft einen Blick auf die Vielschichtigkeit extrem rechter Aktivitäten im Kontext Hochschule und diskutiert Strategien des Umgangs auf kollektiver und institutionenpolitischer Ebene.


Juliane Lang, Mag.a Gender Studies und Erziehungswissenschaft, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft der JLU Gießen. Juliane Lang arbeitet seit vielen Jahren wissenschaftlich und in der politischen Bildungsarbeit zu Themen rund um Geschlecht und die extreme Rechte. Sie ist Mitglied im „Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus“ und Mitherausgeberin des Sammelbandes „Antifeminismus in Bewegung. Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt“ (2018).


Contributors

  • PD Dr. Marion Näser-Lather on Troubling Gender Conference

    Chair
    PD Dr. Marion Näser-Lather

    Philipps-Universität Marburg, Europäische Ethnologie / Kulturwissenschaft

  • Juliane Lang

    Universität Gießen, Institut für Politikwissenschaft; Referentin und Trainerin der politischen Bildungsarbeit

  • Prof. Dr. Sabine Grenz on Troubling Gender Conference

    Prof. Dr. Sabine Grenz

    Universität Wien, Gender Studies

  • Prof. Dr. Ilse Lenz on Troubling Gender Conference

    Prof. Dr. Ilse Lenz

    Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Sozialwissenschaft

  • Dr. Dorothee Beck on Troubling Gender Conference

    Dr. Dorothee Beck

    Freiberufliche Politikwissenschaftlerin, Geschlechterforscherin, Marburg

  • Eszter Kováts on Troubling Gender Conference

    Eszter Kováts

    Universität ELTE, Budapest


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